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	<title>acidblog &#187; drunken blogging</title>
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	<description>Nachdenkliches aus dem Sprawl</description>
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		<title>Jünger der Ausbeutung</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 02:41:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>acid</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Was leben wir doch in herrlichen Zeiten!
Alle leben friedlich miteinander, keiner muss Hungern. Wir alle können im Supermarkt den letzten Fraß für ganz wenig Geld erwerben. Und jeder, der arbeiten will, kann auch arbeiten, um sich etwas von dem glückspendenden virtuellen Gut zu erwerben. Jener übergroßen &#38; bunten Mohrrübe an einer Angel, die wir Esel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was leben wir doch in herrlichen Zeiten!</p>
<p>Alle leben friedlich miteinander, keiner muss Hungern. Wir alle können im Supermarkt den letzten Fraß für ganz wenig Geld erwerben. Und jeder, der arbeiten will, kann auch arbeiten, um sich etwas von dem glückspendenden virtuellen Gut zu erwerben. Jener übergroßen &amp; bunten Mohrrübe an einer Angel, die wir Esel ständig erreichen wollen während wir uns vor dem Karren spannen lassen, der sich hierzulande &#8220;soziale Marktwirtschaft&#8221; schimpft.</p>
<p>Der Begriff an sich ist schon abenteuerlich genug. &#8220;Soziale Marktwirtschaft&#8221; ist ungefähr so sinnvoll wie &#8220;Hyänen mit Anstand&#8221;<sup class='footnote'><a href='#fn-193-1' id='fnref-193-1'>1</a></sup> oder &#8220;Raubmörder mit Herz&#8221;. Abgesehen davon ist er nun wirklich nicht mehr aktuell. Die Tage keynsianistischer  Wirtschaftspolitik sind ja in diesem Lande nunmehr seit über 3 Dekaden gezählt. Jedoch, wir sehen uns halt gerne als die guten an, die in der bestmöglichen Gesellschaftsform Leben und Glück und Frieden auf der Welt verbreiten.</p>
<p>An unseren Händen klebt Blut. Aber wir sehen es nicht. Wir sehen nicht die kleinen Kinderhände, die den Kakao für unsere günstige Schokolade aus dem Supermarkt pflücken, während sie im pestizidverseuchten Wasser waten. Wir sehen nicht die kleinen Kinderhände, die unsere Schuhe, Kleidung und Sportgeräte nähen. Wir sehen nicht die schweißbedeckten und überarbeiteten Männer, die die grüne Lungen unseres Planeten für unseren Luxus abholzen oder unsere Meere leer fischen. Nein, das tun wir nicht, denn wir wollen es nicht sehen.</p>
<p>Die Römer hatten zu mindest noch die Eier in der Hose, einem Sklaven zu sagen, dass er keine Rechte hatte. Wir lassen unsere Sklaven einfach so weit entfernt halten, dass wir es nicht mehr gezeigt bekommen müssen. Das wurde bei uns eh schon genug geübt, dass nicht zeigen. So viel, dass wir schon seit Jahren Kriege gegen die ärmsten Länder der Welt führen und uns dabei auch noch einreden, wir wären die Guten!</p>
<p>Doch was wir im Großen mit der ganzen Welt machen, zieht sich auch bei uns durch alles. Die, die nur den Rest der Menschheit dadurch ausbeuten können, dass sie total billiges Zeug kaufen, arbeiten dadurch dem Reichtum derer zu, die schon viel zu viel davon haben. Nicht, dass sie da groß eine Wahl zu hätten, die meisten zwingen die Umstände dazu und sie haben auch meist gar keine Ahnung wo die Produkte aus dem Supermark her kommen oder es interessiert sie auch einfach nicht. Der aussterbende Mittelstand schaut neidisch dabei zu und bemüht sich eifrig darum, auch seinen Teil vom Kuchen abzubekommen.</p>
<p>Nur läuft das hier nicht ganz so offensichtlich, als dass es Hans Dampf von der Straße, der sich jede Abend seine kleine Portion Wahrheit von der Meinungsmaschinerie aus den alten Medien abholt, kapieren könnte. Hier bekommt er seine Skandale und Kataströpchen gezeigt, über die er sich schön brav aufregen kann und die gerade angesagte Geissel der Menschheit, welche unsere aller Untergang ankünden könnte, präsentiert.</p>
<p>Aber eines ist allen dabei klar. Eigentlich ist das alles ja egal. Denn der &#8220;Fortschritt&#8221; wird immer weiter gehen, das Wachstum, diese uns alle vereinende Götze, wird immer weiter fort schreiten. Nichts wird uns in unserer wahnwitzigen Herrschaft über die &#8220;Natur&#8221; aufhalten können.<br />
Aber das alles darf man ja nicht in Frage stellen. Es ist ja allgemein bekannt, das Fortschritt was tolles ist und wir ewig wachsen müssen.</p>
<p>Da lassen wir uns auch nicht von so profanen Fakten abhalten. Wie zum Beispiel, dass die Ressourcen auf diesem Klumpen Erde im All endlich sind. Oder, dass wir unseren eigenen Lebensraum, und natürlich auch den vieler anderer Lebewesen, verpesten und vernichten. Wenn da so ein paar ideologisch verblendete Spinner her kommen, und was davon erzählen wollen, dann schickt man halt die Wissenschaftler aus ihren gut staffierten Instituten in die Medien, die dann alles relativieren, so schlimm ist das nämlich alles gar nicht.</p>
<blockquote><p>&#8220;Geht wieder nach Hause Leute und konsumiert brav weiter. Es gibt hier keine Menschheit auf dem Irrweg zu sehen. Los, geht wieder nach Hause Leute. Unsere Zivilisation ist toll und wird es auch immer bleiben.&#8221;</p></blockquote>
<p>Jetzt werdet ihr Leser euch eventuell fragen, was man dagegen tun kann. Und dass man ja schon soo viel tut. Und ich will euch ja auch gar nicht angreifen und sagen, dass ihr das nicht tun würdet. Aber wir müssen uns und unseren Mitmenschen klar machen, worin die große arrogante Dummheit unserer Spezies liegt, die zu all diesem Übel führt.</p>
<p>Wir befinden uns auf einem gefährlichen Irrweg. Das Gedankengut unserer &#8220;Zivilisation&#8221; ist tief in uns verwurzelt. Wie sollte es auch anders sein? Wir Menschen werden ja durch die uns überlieferten Geschichten und Gedanken geprägt. Es ist an der Zeit unseren Blick auf die Welt von den Mythen der letzten Jahrtausende zu lösen. Es gibt keine von uns getrennte Natur. Wir Menschen sind lediglich eine der vielen Tierspezies auf diesem wunderschönen Erdball und ein Teil des Ökosystems, zu dem wir beitragen und von dem wir abhängen.</p>
<p>Ich sage nicht, dass wir uns von der Technik abwenden sollen. Es gibt ja wahrlich wundervolle Errungenschaften, die wir uns dank ihrer erschaffen konnten. Nicht zuletzt so etwas wie das Netz und die ihm zugrunde liegende Technik. Aber wir werden uns wirklich endlich und umfassend mal damit beschäftigen müssen, wie wir gerade leben.</p>
<p>Denn, im Endeffekt wollen alle Tiere auf diesen Erdball eines: In Erfüllung und Zufriedenheit leben. Die mehr Instinktgesteuerten Arten haben den Luxus, dass sich dies recht einfach bewerkstelligen lässt. Der Preis unserer Spezialisierung auf unseren Denkapparat bringt die Bürde mit sich, dass wir darüber nachdenken, reflektieren und kommunizieren müssen.</p>
<p>Fest steht, dass der Großteil der Menschen unzufrieden ist, und das durchaus zu Recht, aber nicht sehen kann oder sehen will, worin unser Problem liegt. Die einen, weil sie von übermächtigen Kräften ausgebeutet werden, die anderen, weil sie in einer kalten, unmenschlichen Gesellschaft existieren müssen. Die wenigen, die Zufriedenheit erlangen konnten, müssen sehr viel Kraft dafür aufwenden, sich gegen das Leid um sie herum zu stärken, um nicht daran zu Grunde zu gehen.</p>
<p>Und die, die ganz oben am Ende der Ausbeutungskette stehen? Ich weiß es nicht genau. Aber hey, wir sind Herdentiere. Wenn es der ganzen Herde beschissen geht, wie kann es da den einzelnen Tieren gut gehen?
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-193-1'>Man verzeihe mir, dass ich dieses Stilmittel nutze und diesen Tieren menschliche Eigenschaften verleihe <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-193-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>In welcher Gesellschaft lebe ich?</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 01:15:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>acid</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Acid erklärt sich]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[drunken blogging]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wurde gebeten, eine ausführliche Antwort auf diese Frage zu stellen. Da bietet es sich doch an, diese auch gleich hier zu veröffentlichen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ich wurde gebeten, eine ausführliche Antwort auf diese Frage zu stellen. Da bietet es sich doch an, diese auch gleich hier zu veröffentlichen.</em></p>
<p>Die Gesellschaft in der ich lebe, ist eine sehr facettenreiche. Sie mag einem, je nach Perspektive, vollkommen unterschiedlich vorkommen und es ringen verschiedenste Kräfte darum, sie nachhaltig in ihrem Interesse zu prägen. Mit mehr oder minderen Erfolg. Dies hat mehrere Gründe die auf unterschiedlichen Ebenen zeitgleich wirken:<span id="more-154"></span></p>
<h3>Es herrscht ein Wertepluralismus vor.</h3>
<p>Wahrlich kein neues Phänomen, war es doch das Thema der Soziologie und gesellschaftskritischen Philosophie der 90er Jahre, ist es doch ein zentrales Faktum für den Zustand &#8220;westlicher&#8221; Gesellschaften. Die parallele Existenz diverser Lebensweisheiten in stets unsicheren Zeiten voll schwer vorhersehbaren tiefschürfenden Veränderungen führt zu stetig differenzierteren Peer-Groups, die sich zum Teil quer durch die Milieus erstrecken. Die dominierende Strategie des postmodernen Menschen ist die des Individualisten, ständig auf der Suche nach sich selbst im Kontext diverser Peer-Groups und Situationen.</p>
<h3>Ich erlebe eine Mediengesellschaft.</h3>
<p>Unser Lebensalltag ist geprägt durch eine wahre Medienflut die ständig über uns herein bricht. Die Medien der Postmoderne veränderten und verändern zentrale Momente des innergesellschaftlichen Wertekanons<sup class='footnote'><a href='#fn-154-1' id='fnref-154-1'>1</a></sup>, ein weiterer Faktor, der zur allgemeinen Unsicherheit beiträgt. Derweil vollzieht sich in unserer Medienlandschaft das selbe entsetzliche Schauspiel wie in allen anderen westlichen Industriestaaten. Während die unfassbare Grausamkeit der Globalisierung und des fortschreitenden Imperialismus auf seinem Weg zur &#8220;New World Order&#8221; dank der marktwirtschaftlichen Strukturen verschwiegen, verschönt und alltäglich sowie beliebig dargestellt wird<sup class='footnote'><a href='#fn-154-2' id='fnref-154-2'>2</a></sup>, ist das Volk, getreu dem uralten Motto der Imperialisten &#8220;Brot &amp; Spiele&#8221;, gebannt von absurden Bedrohungen &#8211; die sich, wie ein Horrorfilm nach dem anderen, regelmäßig abwechseln, nachdem sie sich nach kurzer Aufflammen in Beliebigkeit auflösen &#8211; und erlöst mit belangloser Unterhaltung.</p>
<p>Die frappierende Distanz der Darstellung der Mainstream-Medien von dem Faktischen wirkt beängstigend und absurd. So ist mein Vaterland gerade an einem, natürlich Völkerrechtswidrigen, Krieg beteiligt. Ein Verbrechen welches explizit durch unser Verfassungsimprovisorium, welches eigentlich schon vor einem guten Jahrzehnt durch eine vom Volk gewählte Verfassung hätte ersetzt werden müssen, verboten wird.</p>
<h3>Ich lebe in einer Sicherheitsgesellschaft.</h3>
<p>Mit den obig erwähnten Bedrohungsszenarien werden schon seit über einem Jahrzehnt schleichende Beschneidungen der Bürgerrechte etabliert. Beginnend mit Rasterfahndung und dem Großen Lauschangriff hat der Überwachungswahn in Form von täglich neuen &#8220;Sicherheitskameras&#8221;, der Vorratsdatenspeicherung und schlussendlich dieser unsäglichen Grundlage zur Zensur des Internets &#8211; die fundamentalen Grundsätzen unseres Rechtsstaates widerspricht &#8211; beängstigende Formen angenommen. Souverän wie die im bunten Reigen gewählte Politelite sind in diesem Prozess getrieben von Ängsten und Verbindlichkeiten, aber darüber schrieb ich schon <a href="http://acidblog.de/index.php/2009/07/willkommen-in-der-postdemokratie/" target="_blank">an anderer Stelle</a>.</p>
<p>Leider fördert eine solche Umgebung der ständigen Überwachung unterbewusst Konformität. Allerdings führt Konformität zu einem Versiegen des innergesellschaftlichen Diskurses und somit letztlich zur Stagnation ob fehlender Impulse. Und Stagnation kann für eine Gesellschaft, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, nicht gesund sein!</p>
<h3>Und dann ist auch noch Krisenzeit.</h3>
<p>Das systemimanente Problem hat ein weiteres Mal zugeschlagen. Unsere Regierung hat ihre Auswirkungen, in ihrer grenzenlosen demokratischen Weitsicht, mit abenteuerlichen Methoden über den Wahltermin hinaus geschoben. Erwartungsgemäß wird die Krise den Realmarkt im nächsten Jahr mit aller Härte treffen. Die Auswirkungen dieses Handelns sind nicht abzusehen. Vor allen Dingen, wenn man folgendes bedenkt:</p>
<p>Die Gesellschaft entwickelt sich langsam aber unaufhaltsam aus der Postmoderne hinaus. Dank fortschreitenden technischen Fortschritt entledigt sich die Wirtschaft immer mehr nicht mehr benötigter Arbeitskräfte. Die Politelite, gelähmt durch ihre Machtspiele und blind vor diesen Veränderungen, hält währenddessen noch an veralteten Konzepten der Moderne fest und schürt so einen schwelenden Konflikt. Doch so sehr sie sich jetzt noch winden, um den Kapitalismus am Leben zu erhalten wird über kurz oder lang kein Weg an neuen Konzepten[wie dem <a href="https://www.grundeinkommen.de/" target="_blank">garantierten Grundeinkommen</a>] vorbei führen.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-154-1'>siehe z.B. <a href="http://www.amazon.de/Das-Verschwinden-Kindheit-Neil-Postman/dp/3596238552/ref=wl_it_dp_o?ie=UTF8&amp;coliid=I6IMGCJ4J8I48&amp;colid=18T5JZ2UO1HPI" target="_blank">Neil Postman: Das Verschwinden der Kindheit</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-154-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-154-2'>siehe z.B.<a href="http://www.amazon.de/New-Rulers-World-John-Pilger/dp/185984412X/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1251416937&amp;sr=8-3" target="_blank"> John Pilger: The New Rulers Of The World</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-154-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Fleisch</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 23:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>acid</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophisches]]></category>
		<category><![CDATA[das unbestimmte Tier]]></category>
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		<category><![CDATA[Nietzsche]]></category>
		<category><![CDATA[Raubtiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich dachte so über nichts bestimmtes nach - zu mindest über nichts, an dass ich mich jetzt entsinnen könnte - als mir wieder einmal auffiel, wie viel Fleisch ich wöchentlich verzehre. Es vergeht kein Tag,,,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es begab sich vor ein paar Tagen &#8211; ich hatte mir gerade noch schnell ein halbes Hähnchen und Pommes an einer dieser Freßstände, wie sie gerne in der Nähe von Supermärkten stehen, geholt &#8211; dass ich den Heimweg durch ein kleines Waldstückchen beging und auf einer schönen Lichtung unter einem Baum verweilte um meine soeben <span style="text-decoration: line-through;">erbeutete</span> erkaufte Mahlzeit zu verspeisen.<span id="more-63"></span><sup class='footnote'><a href='#fn-63-1' id='fnref-63-1'>1</a></sup></p>
<p>Ich dachte so über nichts bestimmtes nach &#8211; zu mindest über nichts, an dass ich mich jetzt entsinnen könnte &#8211; als mir wieder einmal auffiel, wie viel Fleisch ich wöchentlich verzehre. Es vergeht kein Tag, an dem ich es nicht in irgend einer Form zu mir nehme. Auf&#8217;s Brot z.B. kommt bei mir meist nur Fleischsalat, Salami und diverse Käsesorten (auch ein tierisches Produkt). Gut, ich habe auch noch ein wenig Marmelade, die zum Glück sehr haltbar ist, und leider auch ein wenig Nuss-Nougat-Creme, über deren Besitz ich mich sehr schäme. Aber mir fiel das mit den Kindersklaven in der Kakaoproduktion erst zwei Tage später wieder ein, nachdem ich sie schon angebrochen hatte. Dessenungeachtet, um wieder zur Ernährung zurück zu kehren, selbst wenn ich denn einmal anders oder gar nicht frühstücke findet immer wenigstens ein kleiner Fleischanteil seinen Weg in die Hauptmahlzeit. Und ich bin mir sicher, dass ich, abgesehen von unseren vegetarischen oder veganen Mitmenschen, damit nicht alleine bin, oder?<sup class='footnote'><a href='#fn-63-2' id='fnref-63-2'>2</a></sup></p>
<p>Nun sind wir ja, der Aufbau unseres Gebisses spricht da eindeutig für, Allesfresser und als solche benötigen wir nun wahrlich nicht derart oft der Bestandteile tierischer Zellen. Es gibt aber im Tierreich durchaus andere Tiere, die sich fast ausschließlich vom Fleisch ernähren: die Raubtiere. Und wenn wir derart viel Fleisch zu uns nehmen, dann eifern wir ihnen ja eigentlich unbewußt nach. Auch wenn wir in unserer arroganten Art den kraftraubenden Akt der Jagd durch ein schlichtes bezahlen eines Dienstleisters ersetzen. Insofern passt die Metapher nicht ganz, wenn man die Jagd allerdings etwas weiter auffasst, dann passt sie wieder ganz hervorragend. Homo Sapiens jagt nicht plump Fleisch hinterher, statt dessen wurde die Jagd auf abstrakte Güter wie Geld, Macht und Einfluß verlegt. Das sieht man ja heutzutage immer besser in (fast?) allen Bereichen unseres Lebens. Raubtiere sind durch den Instinkt in ihrem Wesen definiert und folgen ihrer Bestimmung ohne sie reflektieren zu können.<sup class='footnote'><a href='#fn-63-3' id='fnref-63-3'>3</a></sup></p>
<p>Demgegenüber ist der Menschen indes, das hat Nietzsche sehr schön formuliert, das unbestimmte Tier. Das ist unser Segen und unser Fluch zugleich. Wir müssen uns selbst definieren, denn unsere kümmerlichen Instinkte reichen für ein Leben, das uns erfüllen könnte, leider nicht wirklich aus.<sup class='footnote'><a href='#fn-63-4' id='fnref-63-4'>4</a></sup> Dies ermöglichte uns allerdings die aufeinander aufbauende Kultur des Wissenstransfers zu entwickeln und in unserem maßlosen Geltungsbedürfnis stellten wir uns sogar über alle anderen Tiere.<sup class='footnote'><a href='#fn-63-5' id='fnref-63-5'>5</a></sup> Jedoch ermöglicht es gerade diese Ungewißheit unserer Spezies immer wieder revolutionär neue Wege zu gehen. Und von diesem Blickpunkt aus, empfinde ich es als ziemlich armselig, in seinem Verhalten einem Raubtier nach zu eifern. Steht es uns doch frei, unsere eigene Bestimmung zu finden. Unseren Weg selbst aus uns heraus zu definieren.</p>
<p>Worauf läuft&#8217;s hinaus? Das Leben eilt weiter dahin und wir haben kaum die Zeit uns auf das Jetzt zu konzentrieren, geschweige denn unserer selbst bewußt zu werden. Doch genau dies ist die Gabe, die unsere Art auszeichnet. Wäre es nicht sinnvoll, sie auch zu nutzen?</p>
<p>Ich für meinen Teil denke gerade, um mal wieder zum Beginn des Gedankenganges zurück zu kehren, darüber nach, meinen Fleischkonsum einzuschränken. Nicht weil es mir zuwider wäre, vielmehr um mich selbst der Erfahrung zu bereichern, dass es auch andere Arten der Kost gibt. Denn, du bist was du isst &#8211; Prost!
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-63-1'>Ich habe natürlich nur die Knochen mit ein paar Resten in diesem Waldstück liegen gelassen und den ganzen zivilisatorischen Ballast, den es obendrein gab, ordnungsgemäß in einem Müllsammelbehälter entsorgt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-63-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-63-2'>Es ist mir durchaus bekannt, dass dieser hohe Fleischkonsum ein Phänomen unserer deutschen Kultur darstellt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-63-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-63-3'>Wie sollten sie auch? Nach unsererem aktuellen Erkenntnisstand sind die Denksysteme nicht mit jenen abstrakten Modellen des Geistes ausgestattet, die uns Menschen ermöglicht, über uns selbst zu reflektieren. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-63-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-63-4'>Jedenfalls glaube ich das. Auch wenn unsere Geschichte, von einem oberflächlichen Blickpunkt aus, durchaus gegenteilige Beispiele liefern könnte. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-63-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-63-5'>Ich sag&#8217; nur: &#8220;Mach euch die Erde untertan&#8221; Und kommt mir ja nicht mit irgendwelchen Wischi-Waschi Deutungen daher!  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-63-5'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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