„Guten Morgen. Das Kind ist wach und du bist dran.“ „Uhm? Ja, ich komme gleich zu euch“ Ein kurzer Blick aus müden Augen auf die Uhr offenbart: es ist kurz nach sechs, die Nachtschicht übergibt an die Morgenschicht. So, oder so ähnlich, beginnen oft die Tage bei uns daheim.

Vor knapp zwei Jahren, als das Kind dann wirklich da war, haben wir hin und her überlegt, wie wir das mit der Betreuung machen wollen. Wir wollten beide nicht, dass meine Partnerin die klassische Hauptverantwortung inklusive den Löwenanteil an Betreuungszeit übernimmt, sondern Zeitaufwand wie Verantwortung gemeinsam zu gleichen Teilen tragen. Ich hatte das Blog von einem Paar gelesen, welches die Kinderbetreuung tageweise aufteilt. Das fanden wir ne gute Idee, auch wenn uns die Taktung (ein ganzer Tag und die Nacht) zu grob erschien, also machten wir das feiner.1

By Murrur (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

By Murrur (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Waren es zu Beginn vor allen Dingen die Zeit tagsüber die wir aufteilten, wurden es bald die kompletten 24 Stunden, die wir gemeinsam planen mussten.2 Durch KiTa, Erwerbsarbeit und Schlafrythmus unseres Kindes sind manche Zeitfenster gesetzt. Daraus ergeben sich feste Uhrzeiten für den Schichtwechsel. Fest meint dabei, dass sie ohne weitere Absprachen gelten und von der Ablösenden unbedingt einzuhalten sind.

Die Schichtzeiten sind auf ein geschätztes Mittel im Tagesrhythmus von unserem Kind angelegt. Also selbst wenn die Abendschicht mal wirklich lange damit zu tun hat, den Nachwuchs in den Schlaf zu bekommen, gehen wir davon aus, dass sich das mit Tagen wieder ausgleicht, in dem mensch das Kind in Rekordzeit nach Schichtwechsel in das Bett bringen kann.

Am Wochenende verbringen wir viel Zeit zusammen, so dass wir spontan entscheiden ob und wie wir Schichten festlegen. Unsere Werktage teilen sich inzwischen in vier Schichten auf: Um sechs (oder wenn das Kind halt wach wird) beginnt die Frühschicht und endet mit Abgabe in der KiTa.3

Die Nachmittagsschicht holt dann das Kind von der KiTa ab & übergibt um 7 an die Abendschicht. Diese geht bis das Kind schläft und übergibt dann an die Nachtschicht. Da das Kind in den ersten Stunden eh tief und fest schläft, ist dieser Wechsel auch gerne mal weich, also dass die Nachtschicht erst in der Nacht wieder nach Hause kommt um das Babyphone zu übernehmen.

Wir teilen die Zeiten tagsüber so auf, dass beide ungefähr gleich viel Zeit investieren. Üblicherweise bedeutet das, dass diejenige, die Frühschicht hat, auch Spätschicht macht. Wenn das mal nicht mit den Tagesplan vereinbar ist, gibt es entweder lange Tage (jede von uns hat einen Tag in der Woche, in der sie nur Frühschicht hat) oder mensch macht zu der Frühschicht noch eine halbe Nachmittagsschicht.

Meist planen wir nur wenige Tage voraus. Dadurch, dass die Modalitäten schon geklärt sind, können Planänderungen schnell und mit wenig Aufwand besprochen werden. So gelingt es uns, die Zeit mit dem Kind für alle Seiten fair aufzuteilen.

Dadurch, dass immer klar ist, wer gerade zuständig ist, entsteht so manches Konfliktpotenzial auch gar nicht erst. Des Weiteren ergibt es sich nebenbei, dass mensch sich eher raus hält, wenn die andere Bezugsperson für das Kind hauptverantwortlich ist.4 Unsere Leben gehen auch mit Kind weiter und durch die Schichten finden wir auch die Zeit für dieses.5

Ich bin von dem Konzept sehr überzeugt und möchte unsere Sorgearbeit gar nicht mehr ungeregelt aufteilen. Ich danke euch fürs lesen und bin gespannt auf euer Feedback!

Edit:
Ach ja! Ich wollte ja auch noch bei der Blogparade zur Sorgearbeitsteilung teilnehmen! Das sei hiermit nachgeholt ;)

  1. Diese Idee ist eine der zwei wirklich guten Methoden, die wir im Internet für unsere Beziehung gefunden haben. Die andere ist die wunderbare Idee von wöchentlichen Beziehungsgesprächen. Wir hatten’s mit denen zwischendurch auch etwas übertrieben, aber davon erzähle ich ein anderes Mal.
  2. In der alten Wohnung hatten wir ziemlich aufeinander gehockt, im neuen Heim hat jede ein eigenes Zimmer und Bett. So hat auch der Nachwuchs ein Kinderbett im Kinderzimmer.
  3. In unserer KiTa gibt es von 08:30 bis 09:00 Frühstück und die Kinder sollen entweder davor oder danach vorbei gebracht werden. Es ist immer wieder ein großer Spaß, das Kind unter Zeitdruck zu wickeln und umzuziehen!
  4. Lustigerweise spielt es sich meist viel entspannter mit dem kleinen Wunder, wenn mensch gerade keine Schicht hat.
  5. Außerdem kann die Zeit mit dem kleinen Menschen bei all der Liebe & Freude ganz schön schlauchen!

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