Wer ihn noch nicht gelesen haben sollte, möge auch den ersten Teil lesen.

das letzemal musste ich ein bisschen ich mcih hineinlächeln als sie sagte das wir uns um 4 im park treffen könnten und wenns regnet oder schneit bei ihr.
schnee. anfang november also echt.
nachdem ich frierend die treppe hochgetapert bin und mir die weisse pracht von den schuhen und der jacke geklopft habe, sitze ich endlich mit einer tasse tee im warmen.
Sie schaut nach draussen.
„ist schon frueh dunkel, nicht. um kurz nach 4. aber in zwei monaten werden die tage wieder länger.“
ich nicke. oh gott. zwei monate. wann geht dann die sonne unter? halb drei?
„ich habe lust was zu machen. aber raus kann ich nicht, ich wuerde ja doch nur hinfallen. weisst du was, wir backen kanelbullar“
also Zimtschnecken. mit extrazimt und extra hagelzucker. „man lebt ja nichtmehr ewig wenn man schon ueber 80 ist! also kann man sich auch mal was gönnen!“ dazu kaffe, denn was nen richtiger schwede ist der brauch kaffe zur fika!!
Danach sitzen wir am Tisch im wohnzimmer.
„manachmal, an tagen wie heute zum beispiel, mit dem ersten schnee des jahres, da wuensch ich mir wieder jung zu sein. so wie du. das muss grossartig sein.
ich war ein kind als der krieg anfing, ich war ein kind als ich ernst kennengelernt habe. danach war ich eine frau, der krieg war zuende und ernst tot. und ich frage mcih ob ich jemals einfach nur jung gewesen bin.
wenn ich heute jung währe, ich weiss nciht. ich wuerde es denen zeigen. allen. und alles nochmal machen. nicht besser. nicht schlechter. nur ohne krieg.
ich beneide dich darum. um dieses leben ohne diese… dieses graue tuch das sich ueber alles legt.
vielleicht wuerde ich aber auch nur so umherleben. spass haben. viel denken. viel lesen. viel im gras liegen. und ich hätte ein pferd.
wie geht es deinem pferd?
dem Pony. Es is ja so suess!
Kalt, nichtwahr? damals, im Krieg, ei, das war kalt.
einmal, da haben wir holz gesamelt, kurz vor weihnachten wars. alle haben holz gesammelt, die wälder waren ganz leer gesammelt,
und haben das holz deponiert hinterm ofen, fuer weihnachten.
ei, haben wir uns drauf gefreut.
und ich bin in den wald gegangen, nur so zum schneeschauen. und unter einem baum sahss eine frau , ganz blau und kalt. ich habe gedacht sie ist tot und mich erscherckt, so im licht von dem schnee der den mond refelektiert hat.
aber ich bin dann trozdem hin, und sie war gar nciht tot. nur halb.“
ein kleines lächeln.
„da habe ich sie aufgehoben und anch hause getragen. ich war ja nciht die groesste und nicht die stärkste, aber ich habe gedacht, 10 minuten länger und da ist hopfen und malz verloren, weisst du. und wie cih sie hochhob, da ist unter ihrem kittel ein kleines kind. das hat sich noch bewegt, dem gings ncoh ganz gut.
also habe ich sie auf den arm genommen, ganz vorsichtig, und den ganzen weg nach hause getragen.
und ich habe garn nicht gemerkt wie weit der weg war, weil ich gedacht habe, nur schnell, die beiden ins warme.
und dann haben wir mit dem weihnachtsholz ein feuer gmeacht, das war so schön!
weil ich imemr gedacht habe, hier ist das weihnachtsholz fuer was gut, weihnachten können wir uns dicke pullis anziehen.
Ja, kalt war es im krieg.
kalt und einsam und hungrig.
ich habe im Hospitz gearbeitet als schwester, das ist mein beruf.
und dann kam ein brief von den nazis das ich als schwedin nciht in deutschland arbeiten duerfe, ncith den deutschen frauen ihre arbeit wegnehmen. von wegen. als ob die ncoh zeit hätten.
ich verstehe es selber nciht, warum ich in deutschland gearbeitet habe. fuer die deutschen sozusagen.
ich glaube weil cih nur die menshcen geshen habe. das es viel zu viel arbeit war und ich gebraucht wurde.
und dann kam dieser brief, und ich bleib zu hause und es ging mir schlecht.
und am zweiten tag kam einer der krankenhausleiter zu mir und hat mich angeschnautzt warum ich zuhause bin, im krankenhaus arbeiten sie 24 stunden am tag. und ich habe ihm den brief gezeigt. er hat ihn gelesen, böse geguckt und ihn zerissen und gesagt, hören wir auf die nazis oder sind wir vernuenftig?
da hab ich meine jacke genommen und wir sind zurueck zum krankenhaus gerannt.
ja, es gab auch gute menschen. es gibt immer auch gute menschen. nur angst, angst haten wir alle. schrecklich. die angst frisst die seele auf,
hat ernst immer gesagt, ja, das stimmt.
manachmal bin ich so wuetend. dann will ich schreien und weinen, und ich denke mir das macht es auch nicht wieder gut.
aber wenn ich sehe, mein mädchen,wenn ich sehe wie die nazis in deutschland wieder mehr werden, dann könnte ich schreien.
erinnert sich den keienr mehr?
wie können sie so dumm sein!
wie, wie, wie“
sie kallt ihre tasse auf den tisch. etwas kaffe schwappt ueber den rand auf den tisch, auf das helle tischtuch.
sie guckt daruf. traurig. dann schaut sie mich an.
„aber ich bin ja alt. ich soll mcih nciht mehr aufregen. je mehr man von leben weiss desto mehr sieht man was man nciht weiss. als kind ist die welt klein. gnz klein. ein dorf vilelicht, 30 menshcen, davon 10 wirklich nahe. und es gibt ein paar geheimnisse, aber nciht so wahnsinnige. nichts wo man nciht hinterkommen könnte. und dann ist man alt und hat so viel gesehen. und fuehlt sich klein und unbedeutend.
habe ich meinen beitrag geleistet, hätte ich mehr tun sollen?
hätte ich was anders gmeahct, damals. mit 16, was währe dann heute?
vielelciht währe ich dann die königin von england. wer weiss das schon?
nagut, das währe unwarscheinlcih.
Aber so richtig jung, währe ich schon nochmal gerne. nur so ein paar tage. eine woche vielelciht.
mit allem. mit kaffees und jungen und ihren blicken.“
sie kichert und guckt mich an.
„aber eigentlich ist es gut das ich alt bin. jetzt seit ihr dran mit leben. wir hatten unsere chanse.“

Das letzte Mal musste ich ein bisschen ich mich hinein lächeln als sie sagte, dass wir uns um 4 im park treffen könnten und wenn es regnet oder schneit bei ihr.

Schnee. Anfang November, also echt.


Nachdem ich frierend die Treppe hochgetapert bin und mir die weisse Pracht von den Schuhen und der Jacke geklopft habe, sitze ich endlich mit einer Tasse Tee im Warmen.

Sie schaut nach draussen.

„Ist schon früh dunkel, nicht? Um kurz nach 4. Aber in zwei Monaten werden die Tage wieder länger.“

Ich nicke. Oh Gott. Zwei Monate. Wann geht dann die Sonne unter? Um halb Drei?

„Ich habe Lust was zu machen. aber raus kann ich nicht. Ich wuerde ja doch nur hinfallen. Weisst du was, wir backen Kanelbullar“

Also Zimtschnecken. mit extra Zimt und extra Hagelzucker. „Man lebt ja nicht mehr ewig wenn man schon ueber 80 ist! Also kann man sich auch mal was gönnen!“ Dazu Kaffee, denn was nen richtiger Schwede ist, der braucht Kaffee zur Fika!!


Danach sitzen wir am Tisch im Wohnzimmer.


„Manchmal, an Tagen wie Heute zum Beispiel, mit dem ersten Schnee des Jahres, da wünsch ich mir wieder jung zu sein. So wie du. das muss grossartig sein.

Ich war ein Kind, als der Krieg anfing. ich war ein Kind, als ich Ernst kennen gelernt habe. Danach war ich eine Frau. Der Krieg war zuende und Ernst tot. Und ich frage mich, ob ich jemals einfach nur jung gewesen bin.

Wenn ich heute jung währe, ich weiss nicht. Ich würde es denen zeigen. Allen. Und alles nochmal machen. Nicht besser. Nicht schlechter. Nur ohne Krieg.

Ich beneide dich darum. Um dieses Leben ohne diese… dieses graue Tuch, das sich über alles legt.

Vielleicht wuerde ich aber auch nur so umherleben. Spass haben. Viel denken. Viel lesen. Viel im Gras liegen. Und ich hätte ein Pferd.

Wie geht es deinem Pferd?

Dem Pony. Es is ja so süß!

Kalt, nichtwahr? Damals, im Krieg, ei, das war kalt.

Einmal, da haben wir Holz gesamelt, kurz vor Weihnachten war’s. Alle haben Holz gesammelt, die Wälder waren ganz leer gesammelt.

Und haben das Holz deponiert hinterm Ofen, für Weihnachten.

Ei, haben wir uns drauf gefreut.

Und ich bin in den Wald gegangen, nur so zum Schnee schauen. Und unter einem Baum saß eine Frau , ganz blau und kalt. ich habe gedacht, sie ist tot und mich erschreckt, so im Licht von dem Schnee der den Mond reflektiert hat.

Aber ich bin dann trozdem hin, und sie war gar nicht tot. nur halb.“

Ein kleines Lächeln.

„Da habe ich sie aufgehoben und nach Hause getragen. Ich war ja nicht die größte und nicht die stärkste, aber ich habe gedacht, 10 minuten länger und da ist Hopfen und Malz verloren, weisst du. Und wie ich sie hoch hob, da ist unter ihrem Kittel ein kleines Kind. Das hat sich noch bewegt, dem gings noch ganz gut.

Also habe ich sie auf den Arm genommen, ganz vorsichtig, und den ganzen Weg nach Hause getragen.

Und ich habe gar nicht gemerkt, wie weit der Weg war. Weil ich gedacht habe, nur schnell, die beiden ins Warme.

Und dann haben wir mit dem Weihnachtsholz ein Feuer gemacht, das war so schön!

Weil ich immer gedacht habe, hier ist das Weihnachtsholz fuer was gut, Weihnachten können wir uns dicke Pullis anziehen.


Ja, kalt war es im Krieg.

Kalt und einsam und hungrig.

Ich habe im Hospitz gearbeitet als Schwester, das ist mein Beruf.

Und dann kam ein Brief von den Nazis, dass ich als Schwedin nicht in Deutschland arbeiten dürfe, nicht den deutschen Frauen ihre Arbeit wegnehmen. Von wegen. Als ob die noch Zeit hätten.

Ich verstehe es selber nicht, warum ich in Deutschland gearbeitet habe. Für die Deutschen sozusagen.

Ich glaube, weil ich nur die Menschen gesehen habe. dass es viel zu viel Arbeit war und ich gebraucht wurde.

Und dann kam dieser Brief, und ich bleib zu Hause und es ging mir schlecht.

Und am zweiten Tag kam einer der Krankenhausleiter zu mir und hat mich angeschnauzt, warum ich Zuhause bin, im Krankenhaus arbeiten sie 24 Stunden am Tag. Und ich habe ihm den Brief gezeigt. Er hat ihn gelesen, böse geguckt und ihn zerissen und gesagt: ‚Hören wir auf die Nazis oder sind wir vernünftig?‘

Da hab ich meine Jacke genommen und wir sind zurück zum Krankenhaus gerannt.


Ja, es gab auch gute Menschen. Es gibt immer auch gute Menschen. Nur Angst, Angst hatten wir alle. Schrecklich. Die Angst frisst die Seele auf,

hat Ernst immer gesagt, ja, das stimmt.


Manchmal bin ich so wütend. dann will ich schreien und weinen. Und ich denke mir: ‚Das macht es auch nicht wieder gut.‘

Aber wenn ich sehe, mein Mädchen,wenn ich sehe, wie die Nazis in Deutschland wieder mehr werden, dann könnte ich schreien.

Erinnert sich den keiner mehr?

Wie können sie so dumm sein!

Wie, wie, wie?“

Sie knallt ihre tasse auf den Tisch. Etwas Kaffee schwappt über den Rand auf den Tisch, auf das helle Tischtuch.

Sie guckt darauf, traurig. Dann schaut sie mich an.

„Aber ich bin ja alt. ich soll mich nicht mehr aufregen. Je mehr man vom Leben weiss, desto mehr sieht man, was man nicht weiss. Als Kind ist die Welt klein. Ganz klein. Ein dorf vielleicht, 30 Menschen, davon 10 wirklich nahe. Und es gibt ein paar Geheimnisse, aber nicht so wahnsinnige. Nichts wo man nicht hinterkommen könnte. Und dann ist man alt und hat so viel gesehen. und fühlt sich klein und unbedeutend.

Habe ich meinen Beitrag geleistet, hätte ich mehr tun sollen?

Hätte ich was anders gemacht, damals. Mit 16, was währe dann heute?

Vielleicht währe ich dann die Königin von England. Wer weiss das schon?

Nagut, das währe unwahrscheinlich.


Aber so richtig jung, Währe ich schon nochmal gerne. Nur so ein paar Tage. Eine Woche vielleicht.

Mit allem. mit Cafés und Jungen und ihren Blicken.“

Sie kichert und guckt mich an.

„Aber eigentlich ist es gut das ich alt bin. Jetzt seid ihr dran mit leben. Wir hatten unsere Chance.“