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Ich hab immer noch zu viel um die Ohren, arbeite meist zu lange und bin dann zu ausgebrannt, um noch viel zu schreiben. Aber folgenden Text fand ich gestern beim  bergen einer alten Festplatte. Es ist ein Post von vor ein paar Jahren aus einem alten Stammforum von mir, weiß leider nicht mehr genau, wer es gepostet hatte. Ich habe den Text so gelassen, wie ich ihn gesichert hatte, und nur die Rechtschreibung korrigiert (was ich so auf den ersten Blick gesehen habe ;) ). Viel Vergnügen beim Lesen, er passt  zur Jahreszeit und ist wunderschön zu lesen.

Die Schlange ist unglaublich lang.
ich stöhne auf, ich muss nach hause und meine Wäsche in den Trockner stecken, habe den Waschmaschienenraum nur bis 12 gebucht. und jetzt ist es schon 11:30. und die Schlange geht schon durch den halben riesenladen.
verdammt!!!
das sollte nur ein schneller milch-brot-eier-tiefkuehlgemuese freitagsmittageinkauf werden. verloren, wuerd ich sagen. vor mir steht ein altes omachen mit einem Rollator, und lächelt mich an.
“kkasuhf jsuuhf ajytnnj?” ich gucke doof. “Jag inte talar swenska”,
der gut trainierte Satz. sie guckt mcih an, lächelt und fragt auf englisch ob ich dieser Sprache mächtig bin. ich gucke verdutzt, aber, cih bin ja hier in Schweden, hier ist alles besser, alte damen sprechen Englisch, und ich behjahe froh. “Are you from England?” “no, I*m from Tyskland”. “Oh!!! Deutschland!! wie schön! ” “Sie sprechen deutsch!” jetzt bin ich aber wirklich erstaunt! “Mein Mann war Deutscher. ich habe in Deutschland gelebt. Mein Sohn spricht auch Deutsch, und er ist jetzt nach Deutschland gezogen zum arbeiten. die brauchen ja Qualifizierte Leute aus Schweden.”
Neben dem Stolz spricht auch etwas Trauer und etwas Ironie aus ihrer Leisen Stimme. Sie spricht mit einem leisen Hessischem akzent, kaum zu hören, ihr Deutsch ist untrainiert, aber im laufe unseres Gespräches wird es besser.
“Ernst war aus Frankfurt, aber das war ihm zu gross. ich ahbe ihn kennengelernt, da war ich 16. in Kassel, da war er 22. das war im Krieg. wir haben geheiratet.
er hat sich in Schweden verliebt, wir waren hier mal im Urlaub, bei meinen Eltern. nach dem Krieg wollten wir hierher kommen.
nach Kalmar. ich bin hier geboren, in småland, ja. und es war Herbst, fast wie jetzt. 40 war das. er hatte eine Spediton. und dann hat er den ersten Politischen rausgebracht. und danach noch einen. und noch einen. Juden, ganze Familien. nie ist er erwischt worden, aber ich hatte Angst. weisst du was das ist, Kind, Angst zu haben? so richtig? Oh, das war schlimm. die Angst war das Schlimsmte. ich war ja ncoh so jung. und geliebt habe ich ihn den Ernst.
Ich mag die Deutschen. nciht alle, aber viele Schweden sagen die Deutschen seien Nazis. das stimmt nicht, es gibt auch gute Deutsche. mein Ernst war gut. ein guter Mensch. zu gut. 44 Haben sie ihn geschnappt.
Die Nazis.
Ich ahbe ihn gefragt, als er nochnicht im KZ war, oder wo imer sie ihn hingebracht haben, Ernst, habe ich ihn gefragt, Warum amchst du das? du setzt doch dein Leben aufs Spiel, und meins gleich mit.
Weil ich die Deutschen liebe, weil ich unsere Kultur liebe, hat er gesagt. weil diese Babaren, diese braunen Schweine unser Land zerstören. alle Kultur. alles gute. Alles ist nur ncoh Hass. und es muss einen geben der was dagegen amcht. Ja, so war er. er war zu gut fuer diese Welt, und ich bin zurueck nach Schweden, und einmal im Monat war er bei mir und hat die Juden und die Politischen hergebracht. ich weiss nciht wie.
er hat es gemacht.
Manchmal, mein Kind, da denke ich, oh, da denke ich, hätte er das doch nciht gemacht, das sind kurze augenblicke, warum gerade ich, weisst du, aber dann schäme ich mich, denke an all die menschen die er gerettet hat, darf man Leben gegen Leben aufrechenen denke ich dann, aber ich tue es dann,. weil es ein bisschen hilft, er ist fuer seine sache gestorben, und er hat sovielen geholfen.
Seinen Bruder den haben sie auch umgebracht. der hat nciht aufgepasst. der war ein guter Mensch. Peter. 2 Jahre juenger als der Ernst war er, und er liebte Männer. das war ja damals eine Krankheit.
verstanden habe ich das nie. es ist ja nichts perverses, er liebte ja keine kleinen jungen sondern richtige Männer. oh, -Sie kichert leisde- ein paar von denen hätten mir auch gefallen, und dann haben sie ihn gekrigt und vergast, die nazis.
Ich hatte all diese Träume, mein Kind, als ich so jung war wie du. wie alt bist du? ja… so jung war ich auch mal. glaubst* du*s? und was habe ich gedacht, was wuerde ich machen mit meinem Leben, mein gott, kindchen.
Ach, Gott, der… ich habe ja gedach das er da irgendwo rumschwirrt. aber wer gesehen hat was ich gesehen habe, mein kind, als Rotkreutsschwester, im Krieg, und wer soviele sterben gesehen hat, und wer seinen mann verloren hat wie ich, der hat keinen Gott mehr, der findet im Gebet kein Trost mehr.
Gott ist was privates. ich habe keinen. du?
na, hätte ich auch nicht gedacht.
Nein, mein Kind, und dann fange ich an zu reisen, wenn der Krieg zu Ende war, cih habe den Hof verkauft, was sollte ich damit, meine juengere Schwester habe ich gut verheiratet, sie ist aber auchschon tot. geblieben bin nur ich. in meiner kleinen wohnung. und ich bin voller erinnerungen.
ich war an vielen Orten. cih hatte ja das Geld.
Vor 4 Jahren war ich wieder in Kassel. es hat sich verändert. warst du schonmal in Kassel?
oh ja. und der Herkules.
Oh, ich mag es deutsch zu sprechen, ich hätte nicht gedacht dass ich ncohmal deutsch sprechen könnte.
es ist eine so schöne sprache, viel besser als das schwedische. auch wenn schweden schöner ist. was meinst du?
.
bis hier habe ich ihr ihre einkäufe anch hause getragen,und von ihr die obligatorischen zimtschnecken serviert bekommen, habe ihren worten gelauscht und ab und zu etwas gesagt.
ich ahbe meine kommentare nciht mit aufgeschrieben weil die nciht relevant sind.
ich hoffe das gehört hier her, wenn nciht bitte verschieben /löschen. ich finde es nur intressant, die ansichten einer alten schwedin.
Alles Liebe Rolfka

Die Schlange ist unglaublich lang.

Ich stöhne auf, ich muss nach hause und meine Wäsche in den Trockner stecken, habe den Waschmaschienenraum nur bis 12 gebucht. und jetzt ist es schon 11:30. Und die Schlange geht schon durch den halben riesigen Laden.

Verdammt!!!

Das sollte nur ein schneller milch-brot-eier-tiefkuehlgemuese freitagsmittageinkauf werden. Verloren, würd ich sagen. Vor mir steht ein altes Omachen mit einem Rollator, und lächelt mich an.


“kkasuhf jsuuhf ajytnnj?” ich gucke doof. “Jag inte talar swenska”,

Der gut trainierte Satz. sie guckt mich an, lächelt und fragt auf Englisch ob ich dieser Sprache mächtig bin. Ich gucke verdutzt, aber, ich bin ja hier in Schweden. Hier ist alles besser, alte Damen sprechen Englisch, und ich bejahe froh. “Are you from England?” “No, I’m from Tyskland.” “Oh!!! Deutschland!! wie schön! Sie sprechen Deutsch!” Jetzt bin ich aber wirklich erstaunt! “Mein Mann war Deutscher. Ich habe in Deutschland gelebt. Mein Sohn spricht auch Deutsch, und er ist jetzt nach Deutschland gezogen zum Arbeiten. Die brauchen ja qualifizierte Leute aus Schweden.”

Neben dem Stolz spricht auch etwas Trauer und etwas Ironie aus ihrer leisen Stimme. Sie spricht mit einem leisen hessischem Akzent, kaum zu hören, ihr Deutsch ist untrainiert, aber im Laufe unseres Gespräches wird es besser.


“Ernst war aus Frankfurt, aber das war ihm zu gross. Ich habe ihn kennengelernt, da war ich 16. In Kassel, da war er 22. Das war im Krieg. wir haben geheiratet.

Er hat sich in Schweden verliebt, wir waren hier mal im Urlaub, bei meinen Eltern. Nach dem Krieg wollten wir hierher kommen.

Nach Kalmar. ich bin hier geboren, in Småland, ja. Und es war Herbst, fast wie jetzt. 40 war das. Er hatte eine Spediton. Und dann hat er den ersten Politischen rausgebracht. Und danach noch einen. Und noch einen. Juden, ganze Familien. Nie ist er erwischt worden, aber ich hatte Angst. Weisst du was das ist, Kind, Angst zu haben? So richtig? Oh, das war schlimm. Die Angst war das Schlimmste. Ich war ja noch so jung. Und geliebt habe ich ihn, den Ernst.

Ich mag die Deutschen. Nicht alle, aber viele, Schweden sagen die Deutschen seien Nazis. Das stimmt nicht. Es gibt auch gute Deutsche. Mein Ernst war gut. Ein guter Mensch. Uu gut. 44 Haben sie ihn geschnappt.

Die Nazis.

Ich habe ihn gefragt, als er noch nicht im KZ war, oder wo immer sie ihn hingebracht haben. Ernst, habe ich ihn gefragt, Warum machst du das? Du setzt doch dein Leben aufs Spiel, und meins gleich mit.

Weil ich die Deutschen liebe, weil ich unsere Kultur liebe, hat er gesagt. Weil diese Babaren, diese braunen Schweine unser Land zerstören. Alle Kultur. Alles gute. Alles ist nur noch Hass. Und es muss einen geben der was dagegen macht. Ja, so war er. Er war zu gut fuer diese Welt, und ich bin zurück nach Schweden, und einmal im Monat war er bei mir und hat die Juden und die Politischen hergebracht. ich weiss nicht wie.

Er hat es gemacht.


Manchmal, mein Kind, da denke ich, oh, da denke ich, hätte er das doch nicht gemacht. Das sind kurze Augenblicke. Warum gerade ich, weisst du? Aber dann schäme ich mich, denke an all die Menschen, die er gerettet hat. “Darf man Leben gegen Leben aufrechnen?” denke ich dann. Aber ich tue es dann, weil es ein bisschen hilft. Er ist fuer seine Sache gestorben, und er hat so vielen geholfen.


Seinen Bruder, den haben sie auch umgebracht. Der hat nicht aufgepasst. Der war ein guter Mensch. Peter. 2 Jahre jünger als der Ernst war er. Und er liebte Männer. das war ja damals eine Krankheit.

Verstanden habe ich das nie. Es ist ja nichts perverses. Er liebte ja keine kleinen Jungen sondern richtige Männer. Oh, -sie kichert leise – ein paar von denen hätten mir auch gefallen. Und dann haben sie ihn gekriegt und vergast, die Nazis.


Ich hatte all diese Träume, mein Kind, als ich so jung war wie du. wie alt bist du?  Ja… so jung war ich auch mal. Glaubst du’s? Und was habe ich gedacht, was würde ich machen mit meinem Leben, mein Gott, Kindchen.


Ach, Gott, der… ich habe ja gedacht, dass er da irgendwo rumschwirrt. Aber wer gesehen hat, was ich gesehen habe, mein Kind, als Rotkreutzschwester, im Krieg, und wer so viele sterben gesehen hat, und wer seinen Mann verloren hat, wie ich, der hat keinen Gott mehr, der findet im Gebet kein Trost mehr.

Gott ist was privates. Ich habe keinen. Du?

Na, hätte ich auch nicht gedacht.


Nein, mein Kind, und dann fange ich an zu reisen, wenn der Krieg zu Ende war, ich habe den Hof verkauft. Was sollte ich damit? Meine juengere Schwester habe ich gut verheiratet, sie ist aber auch schon tot. Geblieben bin nur ich. In meiner kleinen wohnung. Und ich bin voller erinnerungen.


Ich war an vielen Orten. Ich hatte ja das Geld.

Vor 4 Jahren war ich wieder in Kassel. Es hat sich verändert. Warst du schonmal in Kassel?

Oh ja. Und der Herkules.


Oh, ich mag es, Deutsch zu sprechen, ich hätte nicht gedacht dass ich nochmal deutsch sprechen könnte.

Es ist eine so schöne Sprache, viel besser als das Schwedische. auch wenn schweden schöner ist. Was meinst du?




Bis hier habe ich ihr ihre Einkäufe nach Hause getragen und von ihr die obligatorischen Zimtschnecken serviert bekommen, habe ihren Worten gelauscht und ab und zu etwas gesagt.

ich habe meine Kommentare nicht mit aufgeschrieben, weil die nicht relevant sind.


Ich hoffe das gehört hier her, wenn nicht bitte verschieben /löschen. Ich finde es nur interessant, die Ansichten einer alten Schwedin.

Alles Liebe Rolfka

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1 Kommentar

  1. [...] Wer ihn noch nicht gelesen haben sollte, möge auch den ersten Teil lesen. [...]

    Pingback by acidblog » Das Leben, mein Kind (Nachschlag) — 28. Dezember 2009 @ 16:27

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