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Ich habe einen Text geschrieben. Über Alltagssexismus. Nen schick geschriebenen Text. Über ein Thema, was wichtig ist. Ich habe den Alltagssexismus behandelt wie ich ihn erlebe und auch auslebe. Nun stellt sich für viele meiner Leser_innen die Frage, warum ich das gemacht habe. Das will ich versuchen, in diesem Text darzulegen.

Ich schrieb den Text, da ich dieses Thema für richtig wichtig halte. Ein Thema, welches von allen behandelt werden muss, nicht nur von denen, die so richtig drunter leiden. Ich habe diesen Text geschrieben, um Männern* das Problem des Sexismus aufzuzeigen, ohne mit einem anklagendem Zeigefinger zu wedeln. Viel Männer* gehen im feministischen Diskurs in Abwehrhaltung und verweigern sich der Realität, dass Frauen* nicht gleichberechtigt sind. Ich wollte mit meinem Text zeigen, wie schnell ein Mann* sexistisch sein kann, ohne dass er sich des Problems bewusst wird oder ist. Habe ich das erreicht? Ich denke, ja.

Der Text ist nicht anklagend oder besserwisserisch geschrieben, wie es leider doch vielen Feminist_innen in ihren Texten passiert. Ich erachte das für wichtig, nein essentiel zur Kommunikation. Ich kann und will es mir nicht leisten Menschen durch Aggressivität zurückzuweisen. Ich lerne nur von denen, die mir freundlich gesinnt sind, und mir Liebe begegnen. Der Diskurs ist agressiv, muss sogar agressiv sein, damit er gehört wird und die notwenige Wahrnehmung erfährt. Das ist es jedoch, was viele Männer*, selbst die, die prinzipiell offen sind, zurück schrecken lässt. Die Anklage ihres Verhaltens baut Mauern auf.

Ich will helfen, diese Mauern einzureissen, zu verdeutlichen, warum dieser aggressive Diskurs für nötig erachtet wird. Dafür muss ich aber mit den “einfachen” Dingen anfangen, langsam sensibilisieren und heranführen. Mir ist klar, dass es noch sehr viele Aspekte gibt, die ich nicht behandelt habe. Es geht nicht nur um die Ungleichwertung von Mann* und Frau*, es geht um die Ungleichwertung von allen Menschen untereinander. Sei es, weil sie sich nicht in das binäre Schema passen, sei es, weil sie nicht derart sind wie andere, das ist nicht von Belang.

Mir ist klar, dass eine Feminist_in das schon mehrer hundert Male getan hat und der Nerv dafür oft gar nicht mehr vorhanden ist. Ich kenne das sogar selbst schon aus Gesprächen und dabei bin ich lange nicht so sensibilisiert wie einige von euch. Ich bin davon überzeugt, dass dies der Weg ist, den wir zusammen gehen müssen.

Mein Ziel ist es, Männern* den Feminismus näher zu bringen, ohne sie anzugreifen. Ich will ihnen zeigen, dass wir gemeinsam eine bessere Welt schaffen können, ja müssen.

Ich bin @acid23 und @herrurbach und ich versuche, Männern* den Feminismus zu erklären.

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8 Kommentare

  1. Ich glaube, in manchem macht Ihr es Euch zu einfach – oder besser gesagt, zu schwer: Ihr versucht, Dinge zu ändern, die in der Natur der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung des Menschen gelagert sind. Dabei sollte man versuchen, diese Wahrnehmung und Informationsverarbeitung zu reflektieren und entsprechend in das Verhalten des Menschen einbauen.

    Siehe auch: http://blogaoke.blogspot.com/2011/12/alltagssexismus-vorurteile-und.html

    P.S.: Ich bin erneut extrem irritiert von mehreren Personen, die in der 1. Person Singular von sich schreiben. o0

    P.P.S.: Gibt es irgendwo eine Erklärung dafür, was das * hinter den Geschlechtern bedeutet?

    Comment by mideg — 9. Dezember 2011 @ 00:58

  2. Lieber Herrurbach, ich fands gut. Stelle ich jetzt einfach mal so fest. Mir geht es ähnlich, der Sexismus ist tief in mir, in unserer Kultur verankert. Ich würde die Geschlechterproblematik, wenn das nicht so ein verbrauchtes Wort wäre, als Hauptwiderspruch bezeichnen. Unsere Welt, unsere Denksysteme prägt der Mann-Frau Dualismus dermaßen stark, dass es kaum denkbar scheint, das alles nur eine Konstruktion ist. Ist es aber … das wissen wir beide … leider ist das noch nicht in unsere Körper eingeschrieben … glaub mir … ich verstehe das ganz genau … und ärgere mich wie du … wenn ich wiedermal mehr aus der Hose als aus dem Kopf heraus agiere … Danke für die offenen Worte. Wenn du tiefergehender darüber diskutieren möchtest, schreib mir ruhig mal. Ich hätte da ein paar Ideen für die Piraten.

    Comment by Agape_42 — 9. Dezember 2011 @ 00:58

  3. @mideg:
    Ich glaube, du versuchst, Verhalten als natürlich zu erklären, welche sozial Konstruiert und erlernt werden (das nennt sich dann Sozialisation). Diese Einstellung wird uns nicht weiter helfen. Des weiteren haben wir eine Kunstform gewählt, die wir als spannend erachten. Das Sternchen weißt darauf hin, dass wir nicht immer das sind, was wir nach dem binären Rollenbild sein sollten.

    @Agape_42:
    Danke, aber ich bin hier der acid. Herr Urbach kannst du auf Twitter oder drüber auf seinem Blog stephanurbach.de anschreiben. Ich nehme dein Lob auch an und werd’s auch weiter leiten ;)
    Wir freuen uns über jede Diskussion, vielleicht magst du uns einfach hier oder woanders was dazu schreiben?
    Übrigens, wir haben das nie als Piratenprojekt angesehen.

    Comment by acid — 9. Dezember 2011 @ 05:10

  4. Habe es gestern schon nicht verstanden, als ich den ‘schicken’ Text las. Wer schreibt da wo warum? ‘Warum’ konnte ich auflösen, ‘wo’ nach einigem Suchen auch. Warum dort – habe ich nicht verstanden. ‘Wer’ ist mir bis jetzt nicht klar.
    ‘Herr Urbach’ muss man kennen seit den ägyptischen Aufständen, okay (vermutlich werde ich jetzt für die falsche Schreibweise zurechtgewiesen). acid – nie gehört – ist das jemand anderes, oder machen sich an dieser Identität bestimmte Eigenschaften fest, (die man dann auch kennen muss)?

    Ich bin hier der und dort der, aber das ist meine Meinung? Um sie zu verstehen und einzuordnen, musst du leider erst das who-is-who des Internets auswendig lernen, und antworten darfst du nur hier, aber nicht dort, denn da bin ich ja jemand anders? Außerdem setze ich die korrekte Anrede voraus, also lies bitte erst das Blog, das Impressum, google mich, sieh, was ich sonst noch mache, damit alles seine Richtigkeit hat? Setz dich aber bitte vorher auch noch mit Piratenstandpunkten auseinander.

    Worum ging es noch mal? Ach ja. Um einen kurzen Text.

    Comment by vera — 9. Dezember 2011 @ 13:29

  5. @vera:
    Wir haben es auch im Kegelklub geschrieben um mehr Reichweite zu bekommen.
    Wer steht doch immer unten an den Texten. Wir sind zwei Menschen die sich zum schreiben zusammen getan haben, deshalb können wir durchaus unterschiedlicher Meinung sein, sind uns aber bei dieser Sache sehr einig.

    Wie viel du vorher wissen musst ist nicht von belang, wir fordern keine Vorbildung von unseren Leser_innen ein.

    Und wo steht, das des ganze irgendwas mit Piraten zu tun hätte?

    Comment by acid — 9. Dezember 2011 @ 18:45

  6. In deiner Antwort unter 3.

    Immerhin dämmert mir langsam, dass du und Herr Urbach zwei verschiedene Personen sind (nein, ich bin noch nicht völlig senil).

    Ich möchte, wenn ich einen Text lese, ihn verstehen, sonst lese ich ohnehin nach dem vierten Satz nicht weiter. Texte, die lediglich meine eigene Meinung spiegeln, sind nett, aber nicht erkenntnisfördernd.
    Ich glaube, dass Menschen auch deshalb Texte lesen, weil sie Einordnung, Hintergründe und Interpretation wollen, also Standpunkte, die eben nicht die eigenen sind, aber zur Reflektion über ein Thema beitragen. Der Erkenntnisgewinn besteht ja gerade darin, dass jemand anders etwas anders sieht. Dieser fremde Standpunkt bringt mich bestenfalls zu der Feststellung, ah, so kann man das also auch machen, vielleicht liege ich ganz falsch mit meiner bisherigen Handlungsweise und muss etwas ändern.

    Dabei hilft es mir, zu wissen, von wem der Text stammt (habe ich von dem schon mal gehört, was macht der sonst so?), um das Gelesene einzuordnen. Es ist z.B. ein Unterschied, ob Schirrmacher oder Augstein etwas schreiben, weil sie das vor verschiedenen Hintergründen tun. Nur sehr wenige Texte stehen in einer Art für sich (sind allgemeingültig), dass das keine Rolle spielt. Nach denselben Kriterien wirst du zu einem Buch eines dir bekannten Autoren greifen und ein vielleicht viel besseres liegen lassen, weil du den Autor nicht kennst (oder keiner deiner Freunde ihn dir empfohlen hat, etc.).

    Dass auf Blogs vieles lockerer gehandhabt wird, ist gut so. Dadurch setzt aber die Beschäftigung mit einem Blogbeitrag einen höheren Zeitaufwand für die Einordnung voraus (wie gesagt, wenn ich nicht nur Blogs lese, die ich kenne oder deren Inhalte mir per se zusagen, bzw. etwas nur lese, weil ‘alle’ es gelesen haben). Wie die meisten Menschen habe ich es gerne bequem. Deshalb bedeutet die eindeutige Kennzeichnung, wer etwas geschrieben hat, Zeitersparnis und vor allem besseres Verständnis.

    Comment by vera — 10. Dezember 2011 @ 12:30

  7. [...] Wie? Ich etwa auch? Daniel Schweighöfer über Alltagssexismus (Nachtrag) [...]

    Pingback by Protokoll vom 10. Dezember 2011beiTrackback — 10. Dezember 2011 @ 17:55

  8. [...] für neue/alte Urheberrechtsprobleme aufwirft 26:09 Daniel Schweighöfer über Alltagssexismus (Nachtrag) 37:29 Christian Porsch über den derzeitigen Zustand von Augmented Reality 44:53 Blogger [...]

    Pingback by TRB 258: Musikstreaming, Alltagssexismus, Augmented Reality, Guten TagbeiTrackback — 10. Dezember 2011 @ 22:09

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